Spät in der Nacht bricht ein Einbrecher in ein Haus ein. Natürlich vermutet er, dass keiner zu Hause ist, und schleicht langsam durch das Wohnzimmer. Plötzlich erstarrt er, als er eine laute Stimme hört: “Jesus sieht dich!” - danach Stille. Verunsichert schleicht er weiter durch das Haus, bis die Stimme wieder ertönt: “Jesus sieht dich!” - ziemlich geschockt bleibt er stehen, bis das Licht seiner Taschenlampe auf einen Käfig fällt, in dem ein Papagei sitzt. Erleichtert fragt er das Tier: “Warst du das, der gerade ‘Jesus sieht dich’ gerufen hat?” - “Natürlich!” krächzt der Papagei. “Wer bist du?” fragte darauf der Einbrecher. “Ich heiße Clarence!” antwortet der Papagei. “So ein bescheuerter Name für einen Papagei...” sinniert der Einbrecher. “Welcher Idiot hat dir diesen Namen gegeben?”. Daraufhin der Papagei: “Der gleiche Idiot, der seinen Rottweiler ‘Jesus’ getauft hat...

Nomenitis communis

Nein, keine Angst, es geht hier nicht um eine neuartige Krankheit im eigentlichen Sinn, sondern um die immer mehr um sich greifende Seuche absurder Zwingernamen. Wunderbar, die Meldeformulare werden immer kleiner, die Namen der Hunde immer absurder, und die Unlust derer, die sich mit diesen Namen abquälen müssen (derartig bemitleidenswerte Geschöpfe wie Zuchtbuchführer, Sonderleiter oder sonstige von unheilbarem Altruismus befallene Personen) immer größer.

Zuerst: was zeichnet überhaupt einen guten Namen aus?

  • 1. Der Name muss möglichst lang sein, damit er später auf keinen Fall aus den unvermeidbaren Abkürzungen zurückrekonstruiert werden kann.
  • 2. Er muss eine möglichst große Anzahl fremdsprachiger Sonderzeichen enthalten, die weder auf einer Computertastatur, geschweige denn auf einer Schreibmaschine zu finden sind. Diese Akzente, Tremata, Haceks, Çedilles, Apostrophe und dänischen Ø's sollten so willkürlich wie möglich über den Namen verteilt werden.
  • 3. Der Name sollte phonetisch dem Herkunftsland angepasst werden, damit speziell bei aus dem Osten stammenden Hunderassen der Name nur noch Buchstabe für Buchstabe abgetippt werden kann.

Somit hätten wir das nötige Rüstzeug für unser babylonisches System. Der Fantasie eines Züchters sei es überlassen, einen Namen zu wählen, der das widerspiegelt, woran es ihm selbst am meisten fehlt. Wer keinen adeligen Namen hat, der verpasst eben seinem Dackel den Zwingernamen "von Hohenstauffen zu Thurn und Taxis". Auch Doppelnamen erfreuen sich steigender Beliebtheit, gell, Frau Leutheußer-Schnarrenberger?

Damit will ich nicht sagen, dass jeder Hund "Duk v. Wald" heißen soll, auch wenn dieser Name einem Ringsekretär das Herz höher schlagen lässt, besonders, wenn der Besitzer auch noch Karl Kurz heißt, und in der Forststr. in Hamm wohnt. Diesen Fluch habe ich persönlich bei einer meiner Sonderleitungen ausgestoßen, als ich mich am Sarplaninac-Ring mit dem Zwingernamen "Cerhovickych-drah" anlegte. - Nun ja, die Sloughi-Azawakhs werden auf meine Mitarbeit verzichten müssen, denn mein Arabisch ist mindestens genauso schlecht, wie mein Suaheli. Auch mit den starken und schwachen Beugungen im Armenischen habe ich meine Schwierigkeiten...

Umgekehrt treibt der Nationalstolz mancher Besitzer Deutscher Rassen im Ausland auch seine Blüten. Deutsch - deutscher - Richard Wagner. Mir ist noch gut eine USA-Rottweilerhündin in Erinnerung, die sich mit dem Namen "Walhalla von der Goeterdamerung (Originalschreibweise) herumschlagen musste, und im Ausland habe ich schon mehr als eine Schäferhündin mit dem Namen "Blondie" getroffen, frei nach "Blondie vom Obersalzberg" (da war doch mal was...).

Nun ja, wenn es schon bei der EU-Verfassung Probleme gegeben hat, dann unterstreichen wir eben unsere Internationalität mit Namen aus allen EG-Ländern. Elegant gibt sich der mondäne Bordeauxdoggenbesitzer: "Cointreau de la belle distillerie du forêt de l'autoroute du Val d'Isère, hau ab!". Ein Spickzettel in der Tasche hilft hier weiter. Prekärer wird die Situation, wenn sich der geliebte Fila Brasileiro einen Hasen jagend der stark befahrenen B12 nähert. "Marihuana de la Reina de los Paraguaios de Popocatepetl, hierh..." - verdammt - zu spät, der Laster samt Anhänger war wieder mal schneller...

Besonders gut klingt es auch, wenn Züchter, die in Hinterhuglhapfing, also kurz am A.... der Welt (anus mundi - auch kein schlechter Zwingername) sitzen, dann den Hundenamen in Kontrast zum Zwingernamen aussuchen. Eine "Jolie Femme vom Wadlzwicker", möglichst Deutscher Zwergdackel, klingt doch fast so gut wie ein "Karli of Yamamoto".

Auch bezüglich der gewünschten Verhaltenseigenschaften des Hundes lässt die Namensgebung zumeist keine Wünsche offen. Ich selbst bin 1,67 m groß, und nicht grade ein Herkules - wer wünscht sich da nicht einen "Dr. Death's Hyper Devil Killer" an der Leine? - Die Rasse möchte bitte jeder selbst erraten - nomen est omen. Ich habe schon zu viele Fettnäpfchen hinter mir.

Wie dem auch sei, mein nächster Hund soll "Magic fighter of Priscilla Molesworth-Houghton" in Nether Addlethorpe near Middle Fritham heißen - vertheihung.

Ich mach das aus purer Bosheit - und aus Rache an meinen Nachfolgern hinter der Schreibmaschine. Warum sollen die's besser haben als ich?

Markus Rogen

Ählichkeiten mit lebenden oder toten Hunden oder Personen sind voll beabsichtigt, aber auch unvermeidbar. Ich hoffe, es fühlt sich niemand übergangen. Für Reklamationen steht Ihnen mein Papierkorb gerne Montags bis Freitags von 9-18 Uhr zur Verfügung.

"Schutzhund light" gefällig?

Eine Pest geht um in diesem unserem Lande - auch "Light-Welle" genannt; alles muß "light", "soft", "reduced", oder zumindestens zuckerfrei und möglichst quadratisch, stapelbar und maschinenlesbar sein. Auch die Hundeleute dürfen hier den Anschluss nicht verpassen.

Nach der kernlosen Mandarine, der dornenlosen Brombeere und der geschmacksneutralen Tomate, alles beachtenswerte Zuchterfolge, kam bereits die erste hornlose Rinderrasse. Auch der hirnlose Deutsche Politiker wird mittlerweile anstandslos akzeptiert. Deshalb erscheint es angebracht, auch in der Hundezucht derartige Prinzipien walten zu lassen.

Wie wär's also mit einem zahnlosen Bullterrier oder Mali? England macht  wie immer  bereits einen guten Anfang - mir sind etliche Bullterrierlinien dort bekannt, bei denen bisweilen schon der P4 fehlt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kaum Hunderaufereien, keine Bißwunden, keine gefressenen Kinder, kurz ein problem- und kantenloser Hund, völlig zweckfrei, leicht zu halten und zu erziehen, kinderlieb, blöd, willenlos und IBM®-kompatibel.

Die Ernährung verläuft problemlos vermittels Einfülltrichter und Dosierautomatik auf Zeitschaltuhrbasis. Hier ist die Futtermittelindustrie gefordert, ein farb- und geschmacksneutrales, viskoses, suppenartiges Nahrungsfluidum zu fertigen, das vom Hund dennoch wegen gut abgestimmter Lockstoffe angenommen wird und keine Flecken gibt. "Auch wir gießen in unseren Hund Happi Fluid - jetzt auch in der praktischen Umweltkugel".

Auch Krallen könnte man wegzüchten, oder Stimmbänder. Nie mehr verkratzte Möbel, Gekläff, Gejaule, sich beschwerende Nachbarn oder unnötiger Lärm in Tierversuchslabors.

Die Welt wird angeblich immer friedlicher, softer, lighter, alles rückt näher zusammen, und in einer weltumspannenden Brüderlichkeit fallen wir uns spätestens kurz nach der nächsten Währungsumstellung alle in die Arme. Der Hund als wehrhafter Beschützer und Verteidiger? Ein absurder Anachronismus in den Zeiten einer bundeseinheitlichen Notrufnummer, wenn's nach der Aussage eines grünen Abgeordneten geht. Selbstjustiz ist 'out', und wenn sich einer bedroht fühlt, dann soll er doch den Einbrecher bitten, ihm ein kurzes Telefonat mit der Polizei zu gestatten.

"Ist der Hund kinderlieb?", "Verträgt er sich mit Katzen? Mit meiner Frau? Mit südchinesischen Tanzmeerschweinchen?", "Macht er auch nichts kaputt und ist er leicht zu erziehen?", "Ist er umweltfreundlich, recycelbar und trägt er einen grünen Punkt oder Umweltengel?". Ich kann diese Fragen an Infoständen nicht mehr hören.

Ein Hund ist ein Hund. Ein Hund hat Zähne und kann beißen, ein Hund muss mehrmals täglich seinen Auslauf haben, ein Hund muss gefüttert, gepflegt und artgerecht gehalten werden. Ein Hund ist der älteste Gefährte des Menschen. Er hat ihn beschützt, verteidigt, ihm sein Mittagessen gejagt, aber auch Anhänglichkeit gezeigt und Treue bewiesen. Ein Hund ist kein Stofftier, kein Weihnachtsgeschenk, kein Kinderersatz und keine Puppe.

Unsere Gesellschaft neigt, laut FAZ, dazu, ihre Umwelt "als erweiterten Vorgarten seiner Wohnung" zu sehen. Alles smart, alles frisch. Keiner will mehr zur Kenntnis nehmen, dass ein Pferd ausschlagen, ein Gockel hacken, eine Kuh stoßen kann. Schöne neue Welt. Die Kinder glauben, dass Kühe lila sind und einen Spezialhahn für Erdbeeryoghurt haben, oder einfach, dass die Milch aus dem Supermarkt kommt. Die Hundefeindlichkeit, oder besser, das verschobene Bild vom natürlichen Lebewesen Hund kommt von der Entfremdung des Menschen von der Natur.

Ich fühle mich nicht wohl in einer Gesellschaft, in der Normen umgekehrt, natürlich gewachsenes absichtlich zerstört wird. Warum vergönnt mir keiner einen wehrhaften Hund an meiner Seite? Woher kommt die irrationale Hysterie Hunden gegenüber? Jüngst ereignete sich ein Fall, in dem zwei Jungen, beide um die 15 Jahre, in ein von Wachhunden gesichertes Grundstück eindrangen, indem sie über den Zaun stiegen. Die Hunde verteidigten ihr Territorium - die Jugendlichen trugen Verletzungen davon. Jetzt soll der Besitzer der Hunde Strafe zahlen und die Hunde töten lassen, da "der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit" nicht mehr gewahrt sei. Wahrscheinlich muss man auch auf das Seelenleben eines Triebtäters Rücksicht nehmen, und eine Frau muss sich deswegen vergewaltigen lassen, weil der Täter eine schwere Jugend hatte. Einem der Frau zu Hilfe kommenden Schutzhund muss man dann vermutlich sagen, er dürfe nur ganz leicht, und nur in den Arm zwicken - so soft wie möglich.

Der Hund war dreißigtausend Jahre lang Bewacher und Verteidiger, aber auch Gefährte des Menschen. Dieses gewachsene Verhältnis wird durch unnatürliche Verordnungen und Ansichten zerstört. Ist es nicht mehr legitim, sich beschützen zu lassen? Muss ein Hund mit Maulkorb und Leine bis zur Wehrlosigkeit "entschärft" werden, oder ganz verboten? Ist es artgerecht, wenn ein Hund zum funktionslosen "Sofarutscher" degradiert wird? Meines Erachtens hat das ein Hund nicht verdient!

Aber wenn schon light, dann richtig! Ein Hoch auf die Softie-Welle. Die Sache hat durchaus auch ihre positiven Seiten. Einen Bundeskanzler "light" oder einen Ministerpräsidenten "soft" könnte man schon eher ertragen. Auch auf die Hälfte reduzierte Verordnungen und Bestimmungen würden das Lebensgefühl erheblich steigern.

Ich will hier keine dunklen Prophezeiungen anbringen, aber eine römische Weisheit, die, glaube ich, Seneca formulierte (Leute, die es besser wissen, mögen mich hier korrigieren), gibt doch zu denken: "Je gesünder ein Staat ist, um so weniger Gesetze braucht er. Je mehr und unsinniger die Vorschriften werden, um so näher ist der Niedergang". - Na dann, prost! - falls Ihr Kühlschrank auch in Zukunft noch kühle Getränke produzieren sollte...

Markus Rogen

Übrigens:

Jeder Dritte, der reklamiert, wird erschossen -
zwei waren heute schon da...

Markus Rogen

Alterserscheinungen

Letztens ist mir beim Aufräumen eine alte Prüfungsordnung für Gebrauchshunde, herausgegeben vom SV (Verein für Deutsche Schäferhunde e. V. im VDH) aus meinen Jugendjahren in die Hände gefallen. Ein kleines Heftchen, grün, in Papierform, innen schwarzweiß gedruckt, mit einem Schäferhundkopf vorne drauf – neben der SchH auch beinhaltend die Wachhundprüfung sowie die VB (verkehrssichere Begleithundprüfung) etc.

Für die, die es aufgrund (alte deutsche Rechtschreibung – neu: „auf Grund“) ihres jugendlichen Alters nicht wissen sollten: Papier ist der Vorgänger des PDF-Formates (sozusagen Papier 2.0 oder so) und konnte somit noch ohne Zuhilfenahme von Hard- und Software auch bei Stromausfall benutzt - und im Bedarfsfall sogar mit einem Stift (Vorgänger der Tastatur und des Touchpads) beschrieben werden. Das Büchlein hat man damals brieflich bei der SV-HG (Hauptgeschäftsstelle) am Schnarrbrunnen 4-6 in Augsburg bestellt und per Postanweisung in D-Mark bezahlt (Nachfolgewährung der Reichsmark).

Und: ein „Deutscher Schäferhund“ war so etwas Ähnliches wie der heute gebräuchliche „Mali“ – oder korrekterweise - einer von mehreren belgischen Hütehunderassen, die ursprünglich „Mechelse Herdershond“, „Mechelse Herder“, oder kurz „Mechelaar“ genannt wurde. Der Begriff „Malinois“ ist ein Frankophonismus, da diese Hunderasse aus dem flämischen und nicht dem wallonischen Teil Belgiens stammt. Der Deutsche Schäferhund war in der Regel etwas schwerer, leiser, etwas gesetzter, weniger fuchsähnlich und etwas weniger sperrig in der Bedienung – und teilweise auch nervenschonender für den Hundeführer.

In der damaligen PO (Prüfungsordnung, vermutlich bald „dog examination instructions manual“ genannt) heißt es kurz und bündig in etwa: „Der HF meldet sich mit seinem Hund beim LR.“ – für nach 1980 Geborene zur Erklärung: „Der Hundeführer meldet sich mit seinem Hund beim Leistungsrichter.“ Die SchH [I-III] – Schutzhundeprüfung – hieß damals noch so, bevor wir uns in vorauseilendem Gehorsam freiwillig zurückgenommen und das Ganze VPG – Vielseitigkeitsprüfung – genannt haben. „Agility“ nannte sich damals noch „Breitensport“ und man belächelte die Weicheier, die keine Schutzhundprüfung gemacht haben, vermutlich, weil Hund und Halter zu blöd dafür waren. Hundepsychologen, −gutachter und -schulen (heute „Dog academies“) gab es damals so gut wie kaum – und sie haben auch keinem gefehlt; trotzdem gab es gefühlt damals weniger Probleme mit Hunden als heute, was vermutlich eher den Haltern zuzuschreiben ist.

Damals hat übrigens auch noch kein Mensch Softstöcke verwendet, sondern dünnes Bambusrohr, mit welchem dem Hund laut PO vom (Schutzdienst-)Helfer (so hießen damals die Figuranten) zwei Schläge auf den Rücken „zu verabfolgen“ waren, und der Kampftrieb wurde im besten Fall mit „ausgeprägt“ bewertet. Wenn der Hund nicht gespurt hat, hat er mit dem guten alten Schecker-Teletakt völlig legal eins aufs Dach bekommen – und einem guten Hund (damals gab’s noch so etwas) hat das auch nicht geschadet.

Aber nun zurück zum HF, der sich mit Hund beim LR zu melden hat: Für eine Neufassung der zukünftigen „Examination instructions“ würde ich, gender-neutral, folgende Formulierung vorschlagen: „Die Hundeführerin / der Hundeführer [z. B. Carmen-Chantal Hinterschrazenstaller-Du Pont] meldet sich mit ihrer / seiner Hündin / ihrem /seinem Rüden [z. B. Duchess of the Seven Oaks in front of the Rainbow Bridge near Nether Addlethorpe, genannt „Bella“] bei der Leistungsrichterin / dem Leistungsrichter [z. B. Hans Obermeier] zum Schutzdienst – Verzeihung – zum dritten Teil / zur dritten Teil/In der VPG/In.

„Es stört wohl nicht, wenn ich das Baby im Tragetuch mit mir führe und es nach dem Stellen und Verbellen kurz auf dem Hundeplatz stillen werde – und meine Hündin wird auch biologisch-dynamisch vegan ernährt.“ – Sprach’s – fiel durch, weil die nervenschwache Töle einer ungeeigneten Nicht-Gebrauchshunderasse offensichtlich MitgliedIn der Friedensbewegung war und die HundeführerIn elegant rückwärts an der Leine aus dem Gefahrenbereich zog, setzte sich in ihren SUV (18 Liter auf 100 km) mit dem Aufkleber „Atomkraft – Nein Danke“ und erreichte gerade noch den Bioladen am anderen Ende der Stadt, bevor er schloss, um sich mit einer Latte Macchiato aus Sojamilch sinnlos zu besaufen. „Dieses sinnlose Beißen ist nichts für uns – wir machen jetzt Dog Dancing, Agility oder Rettungshunde…“

Früher hätte ich über sowas gelacht und wäre nach dem fünften Weißbier in mein Auto gestiegen (damals gab es eine 0,8-Promillegrenze, und ein fetter Schweinsbraten mit zwei Kartoffelknödeln von unserer gestandenen Hüttenwirtin und Diensthundeführersgattin im Vereinsheim hätte den überschüssigen Rest an Alkohol schon verdrängt) und wäre frohgemut nach Hause gefahren.

Und heute? Im Zeitalter der political correctness und der Kampfhundeverordnungen glaubt mir keine Sau mehr, dass ich mich damals ohne Helferausweis (gab’s damals noch nicht) aber dafür mit Herzblut in Vollanzug und Tiefschutz vor Pitbulls, kupierte Rottweiler und Dobermänner geschmissen und mir dabei trotz Schutzkleidung regelmäßig meine blauen Flecken geholt habe. Ich habe noch vorwärts und auf Wehr und nicht rückwärts auf Beute gehetzt, und das heutige „Schutzdienstballett“ verstehe ich nicht – vielleicht auf Grund angehender Demenz.

Es ist mir scheißegal, ob ein Hund im 179- anstatt im 180-Grad-Winkel vorsitzt, aber im Ernstfall möchte ich einen Hund, der effektiv hinlangt. Und das ist der Unterschied zwischen Punktejagd im Hundesport und echten Schutzhunden, die im Bedarfsfall zuverlässig ihren Hund – Verzeihung – ihre Hündin stehen und nicht schon den Befehl „Aus!“ vor dem Trainieren der eigentlichen Kampfhandlung (ich weiß nicht, wie man heute dazu sagt) lernen müssen. Ein gut veranlagter Hund sollte von selbst wissen, wann sein Eingreifen vonnöten ist und nicht aus Panik und Unsicherheit ungerichtet um sich beißen – womöglich auch noch den oder die falsche(n). Und das kann nur ein selbstsicher veranlagter und nervenstarker Hund, der seinen Platz im Rudel kennt und konsequent aber gerecht und liebevoll erzogen wurde.

Falls ich demnächst im Alters- (und hoffentlich auch noch Vereins-)heim die alten Geschichten erzählen werde wird man mich für einen dementen Märchenerzähler halten. Bereitet schon mal einen Brei für mich vor – für den Fall, dass ich genauso zahnlos werde, wie die heutige Softie-Gesellschaft …

Nix für ungut!

Euer

Markus Rogen

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